Friedeberg (Neumark)   —  Dies & Das – Teil 1 khd
Stand:  25.10.2012   (23. Ed.)  –  File: WBG/Fbg/Friedeberg_Texte_01.html



Friedeberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

   
  F r i e d e b e r g
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Auf diesen „Dies & Das“-Seiten sind kleine Geschichten aus der Geschichte der Kreisstadt Friedeberg und der Umgebung sowie aus dem heutigen Strzelce Krajenskie dokumentiert. Sie stammen aus verschiedenen Quellen, die jeweils angegeben sind. [Translation-Service]

I n d e x :


1927 — Geschichte(n) aus Friedeberg


In Friedebergs Mauern

Gefunden in: Neumärkische Zeitung, 9. Oktober 1927, Seite xx (Friedeberg). Diese Zeitung erschien in Landsberg/Warthe. [Original]

      FRIEDEBERG. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts herrschte große Hungersnot und die Pest. Im Jahre 1507 aber wieder gab es einen derartigen Überfluß an Feldfrüchten, daß für die Bestellung der Äcker tatsächlich weit mehr Geld aufgebracht werden mußte als für die Ernte einkam. Der Scheffel Roggen kostete 21, Gerste 16 und Hafer 11 märkische Pfennige. Man nannte dies die „silberne Zeit“.

      Sehr interessant ist außerdem, daß aus dem Jahre 1427, also vor genau 500 Jahren, verbürgte Meldungen über eigenartige Witterungserscheinungen vorliegen. Von Ostern, 20. April 1427, bis in den August hinein herrschte ununterbrochen Trockenheit, blühten Pfirsich- und Kirschbäume. Auch blühende Kornblumen gab es im Dezember. Wenn man dieses Wetter mit dem vergleicht, das uns heute nach genau 500 Jahren beschieden worden ist, so sehnt man sich wohl unwillkürlich nach nur einem kleinen Teil jener warmen Tage.

      Viele Feuerbrünste zerstörten oft in kurzer Zeit, was menschliche Tatkraft und menschlicher Fleiß in jahrelangem Mühen geschaffen hatten. Mehrmals brannte der durchziehende Feind die Häuser nieder. Aber auch Bürger der Stadt wurden als Brandstifter entlarvt. Am 28. April 1647 vernichtete ein durch einen Bürger angelegtes Feuer ein Viertel der ganzen Stadt. Man stellte als Täter Martin Jänicke fest, der auch unter dem Spitznamen „der Kassube“ bekannt war.

      Der Grund zu seiner ruchlosen Tat lag in folgendem: Die während des dreißigjährigen Krieges aufzubringenden Steuerlasten waren äußerst drückend, und mancher der Bürger blieb im Rückstand mit der Zahlung. So erging es auch Martin Jänicke. Die beiden Friedeberger Steuereinnehmer, die ihn ständig drängten, hatten seinen Zorn wachgerufen, dem er dadurch Luft machte, daß er die Häuser der beiden Einnehmer anzündete. Dies war freilich ein recht unwürdiges Beginnen, da unübersehbarer Schaden angerichtet wurde. Jänicke und auch seine Frau konnten für ihre Tat zur Verantwortung gezogen werden. Bei der Vernehmung gestanden sie auch noch eine 3 Jahre vorher verübte Brandstiftung ein. Beide erlitten eine furchtbare Strafe: Sie wurden unter dem Galgen zu Friedeberg lebendig verbrannt.

      Am 24.Juli 1759 zerstörte ein Brand 15 Wohnhäuser und 93 gefüllte Scheunen, so daß ein Gesamtschaden von 8000 Talern entstand. Die St. Marienkirche nördlich des Marktplatzes war ursprünglich eine dreischiffige, flachgedeckte Basilika. Auch sie wurde öfters vom Feuer zerstört. Sie ist daher teilweise abweichend von ihrer ursprünglichen Gestaltung verändert worden. Das hohe gotische Spitzdach des Turmes ist vermutlich bereits im 15. Jahrhundert vernichtet worden.

      Der Turm trägt jetzt nur einen achteckigen hölzernen Aufsatz, der mit byzantinischer, Zink bekleideter Kuppel versehen ist. Eine Turmuhr schaffte man 1784 für 230 Taler an. Die Kirche wurde 1858 erneuert. Wie in anderen Städten, so hat man auch hier dann dem Bau schweren Schaden zugefügt. Wertvolle Holzschnitzereien, Chorstühle und Plastiken wurden in verständnisloser Weise vernichtet. An einem Tragpfeiler sind auf einer schwarzen Tafel die Namen der Kriegsteilnehmer aus den Kriegen 1806/07 und 1813-15 verzeichnet.

      Das alte Rathaus am Markt, welches in alter Zeit gleichzeitig Kaufhaus war, ist im Jahre 1872 durch ein neues ersetzt worden, das in das Stadtbild aber schlecht hineinpaßt. Friedeberg hatte früher eine verhältnismäßig größere wirtschaftliche Bedeutung als heute. Es reichte fast an Landsberg heran. 1717 war es Garnison geworden. Die damals einziehende Kompanie des Infanterie- Regimentes „Prinz von Preußen“ war 1726 durch eine Schwadron Dragoner abgelöst worden.

      1797 wurde Friedeberg, dessen Einwohnerzahl ständig im Wachsen begriffen war, das Privileg für eine zweite Apotheke erteilt. Aber als 1871 die Dragoner von Friedeberg weggenommen wurden, verlor die Stadt sehr von ihrem einstigen Einfluß. Man zählte an Einwohnern 1693 etwa 1000, 1729 schon 1600, 1750 bereits 2000, 1810 rund 2000 und 1870 sogar 5810. Bei dieser Zahl blieb es dann.

      Als im Jahre 1857 die Ostbahn angelegt wurde, bemühte sich der damalige Bürgermeister Treu mit allen Mitteln, die Straße [Ed: muß vermutlich „Trasse“ (Strecke) heißen] nach Friedeberg zu bekommen. All sein Streben danach war jedoch vergeblich. Friedeberg, das ja heute mit seinen 5600 Einwohnern noch immer der Mittelpunkt des Kreises ist und dementsprechend eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung aus früheren Jahrhunderten behalten hat, ist ständig bemüht, sich weiter zu entwickeln. Die Straßen sind zum Teil neu gepflastert worden; auch ein Kanalisationsnetz wurde ausgebaut.

      In Kürze werden die Wasserpumpen aus dem Straßenbild verschwinden. Friedeberg plant, im nächsten Jahre eine Wasserleitung zu schaffen, die neben der Bequemlichkeit auch gesundheitlich gegenüber den Pumpen bedeutende Vorteile bringt. In alten Zeiten hatte man überhaupt noch die offenen Ziehbrunnen, die oft zu allerlei Unfug benutzt wurden. Außerordentlich viel Katzen wurden darin ertränkt, und einmal fand man im Ziehbrunnen sogar einen Wagen, den jemand zum Schabernack versenkt hatte.

      Seit 1919 hat Friedeberg eine Bevölkerungszunahme von 10 Prozent zu verzeichnen. Es herrscht jetzt eine rege Bautätigkeit. Der von dem Bürgermeister Dr. Michel im Jahre 1920, ein Jahr nach seinem Dienstantritt, ins Leben gerufene städtische Volksbildungs- Ausschuß hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Bürgern gute Kunst zu vermitteln und pflegt auch außer künstlerischer und wissenschaftlicher Literatur staatsbürgerliche Unterhaltungsabende. Die Musikabende haben ebenfalls allgemein lebhaften Anklang gefunden. Durch den Volksbildungsausschuß wird das rege geistige Leben der Stadt in jeder Weise gefördert. Erstklassige Berliner Orchester, der Domchor und andere erste Künstler bieten beste Kunst dar.

      An den Schulen gibt es außer den Volksschulen ab 1871 das Gymnasium, das seit 1580 bereits als Lateinschule bestand. Dem gliedert sich die höhere Mädchenschule an. Außerdem befindet sich in Friedeberg eine landwirtschaftliche Schule mit angeschlossener Haushaltschule. Das [Lehrer-] Seminar ist bekanntlich vor einigen Jahren eingegangen. Das Gymnasium ist dann in das schöne, große, 1907 erbaute Gebäude eingezogen. Im alten Gymnasialgebäude hat die Stadt ein Schülerheim eingerichtet, das unter der Leitung eines Studienrates auswärtigen Kindern eine gediegene Erziehung ermöglicht.

      Die Geschäftsleute sind zum großen Teil auf den Handel angewiesen. Besonders die Markttage bringen viel Kundschaft aus den umliegenden Ortschaften, und es wird dann den Geschäften gern ein Besuch abgestattet. Haushaltungsgegenstände, Wirtschaftsartikel, Stoffe, Kolonialwaren, Tabak, Zigarren und viele andere Dinge finden ihren Weg zum Verbraucher. In der Richtstraße am Markt haben sich recht schmucke Geschäfte und Läden aufgetan, die in ihren sorgfältig ausgestatteten Schaufenstern den Käufern eine kleine Auswahl der reichhaltigen Lager bieten.

      Das geschäftliche Leben der Stadt leidet zum Teil unter der ungünstigen Bahnverbindung. Außer einer Filzfabrik ist keine Industrie vorhanden. Zu nennen wäre noch ein größeres Sägewerk. Nicht weniger als acht Kunststraßen vermitteln den Verkehr mit dem Lande. Die Kraftpost fährt täglich ins Netzebruch nach Gottschimm, Trebitsch und Driesen, wöchentlich zweimal nach Woldenberg, Sonntags nach Dolgen. Eine Erschließung der Wirtschaft kann aber nach Ansicht maßgebender Friedeberger Persönlichkeiten erst das jetzt vielfach erörterte Projekt der Ostmarkenbahn Guben — Schwerin — Friedeberg bringen.

      Das Blücherdenkmal auf dem Wilhelmplatz hat eine eigenartige Geschichte. In der Franzosenzeit leistete der Gastwirt Kindermann den Schwur, demjenigen, der Deutschland errettet, mit eigener Hand ein Denkmal zu setzen. Er hat ihn gehalten und aus einem 40 Zentner schweren Granitstein das Denkmal gefertigt. Ein ausgezeichnetes Standbild Kaiser Wilhelms I. in den Anlagen stammt von der Hand des Bildhauers Max Dennert, eines Sohnes der Stadt.

      Man hat hier und da Friedeberg gelegentlich eine schlafende Stadt genannt. Allerdings hat die ungünstige Lage den wirtschaftlichen Fortschritt ungemein erschwert, doch von einer schlafenden Stadt kann durchaus keine Rede sein. Nicht nur, daß in der Stadt selbst ein reges geistiges Leben herrscht, sondern von hier aus strömen jahraus, jahrein Quellen geistiger Anregung hin bis zu den einsamen Dörfern, an deren Rändern jetzt die polnischen Grenzposten wachen. Friedeberg ist als Mittelpunkt des Grenzkreises Hüterin deutscher Art und Sitte und seine Bürger werden sich dessen immer bewußt bleiben.


1945 — Massaker im Netzebruch


Das Massaker von Brenkenhofsbruch

Dieses Ereignis am Kriegsende ist bislang wenig bekannt. Als deutsche Soldaten im Februar 1945 im Netzebruch einen Major der Roten Armee töteten, ließ die Reaktion der Sowjets nicht lange auf sich warten. Der Autor Günter Otto Werk erfuhr von dem Vergeltungs-Massaker, als er nach dem Krieg seinen Großvater Otto Werk (Jg. 1870) suchte.

Gefunden bei: Günter Werk. Der Artikel wurde hier dokumentiert, da das Original wg. sinnlosen Java-Einsatzes mit vielen Browsern nicht sinnvoll lesbar ist. [Original]


      Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges begann für viele Menschen die Suche nach ihren Angehörigen. So auch für mich. Nach der Rückkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft war der Verbleib meines Großvaters, der in dem Dorf Brenkenhofsbruch im Netzetal in Pommern gelebt hatte, noch immer ungewiss. Eine schwierige Suche begann, an deren Ende mir eine Zeugin der damaligen Ereignisse in Brenkenhofsbruch Gewissheit über das Schicksal meines Großvaters verschaffte.

      Mein Großvater war Schneidermeister und Kleinlandwirt. Er bewirtschaftete zusammen mit meiner Großmutter etwa 20 Morgen Land und blickte auf 80 Obstbäume. Er war ein Alleskönner, den der frühe Verlust eines seiner Söhne tief getroffen hat, aber nie hat resignieren lassen. Seine Welt waren sein Handwerk, die zwei Milchkühe, das Dutzend Schweine, ein gemischtes Hühnervolk und die Pflaumenbäume, die den Feldweg säumten, der zu dem reetgedeckten Haus führten.

      Und schließlich das Dorf, in dem er sich immer wieder als hilfsbereiter Nachbar erwies. Über Politik sprach er nie. Viele Sommerferien erlebte ich bei ihm. Wenn er nicht seiner Schneidersarbeit nachging, kümmerte er sich um die vielen anderen Dinge, die erledigt werden mussten. Er gab der trächtigen Sau einen gekonnten Einlauf, schiente das gebrochene Bein eines Junghuhnes, kelterte starken Johannisbeerwein oder mähte das weite Kornfeld mit der Sense, während meine Großmutter und ich die Garben aufstellten.

      Er war ein friedlicher Mann. Als mein Vater 1918 freiwillig in den Krieg ziehen wollte, versagte er es ihm. Er wollte seinen Sohn nicht verlieren. Kurz vor meiner Einberufung zum Wehrdienst 1942 sah ich ihn zum letzten Mal. Dass er gegen Ende des Krieges einem Massaker zum Opfer fiel, das die Rotarmisten an den Dorfbewohnern anrichteten, erfuhr ich erst nach längeren Nachforschungen.

Ort des grausigen Geschehens
^   Ort des grausigen Geschehens im Februar 1945. Das Dorf Brenkenhofsbruch lag südöstlich von Friedeberg im Netzebruch.   (Grafik: 2011 – khd)

Ziehharmonika zum grausigen Geschehen

      Im Januar 1945 rückten die sowjetischen Truppen immer näher. Ihr Eintreffen war nur noch eine Frage der Zeit. Flüchtlinge zogen in kilometerlangen Trecks, oft zusammen mit versprengten Soldaten die Hauptstraßen entlang. In Altkarbe, einem Dorf am Nordrand des Netzebruchs, unterhielt die Rote Armee eine Kommandostellung.

      Ein russischer Major kam zusammen mit einem Fahrer und noch einem weiteren Soldaten nach Brenkenhofsbruch. Der Soldat verließ in der Mitte des Dorfes das Auto, um eines der Gehöfte zu erkunden. Der Major fuhr weiter und kam in die Nähe des Netzewalles. Dort postierte deutsche Soldaten schossen mit der Panzerfaust und töteten den Major. Das russische Kommando wurde von dem zurückgebliebenen Russen alarmiert.

      Umgehend kam ein Vergeltungskommando nach Brenkenhofsbruch. Wahllos wurden die Bewohner des Dorfes zusammengetrieben, ein sowjetischer Soldat spielte während des schrecklichen Ereignisses Ziehharmonika. Ein anwesender polnischer Arbeiter konnte erreichen, dass Frauen und Kinder beiseite genommen wurden und rettete sie so vor dem sicheren Tod.

      Die 55 übrig gebliebenen Männer wurden mit Maschinengewehrsalven getötet. Einer dieser Männer war mein Großvater. Eine Frau, die sich bei der anschließenden Plünderung des Dorfs tot gestellt hatte, konnte entkommen. Sie lebte noch bis zur Vertreibung am 25. Juni 1945 auf ihrem Gehöft. Als eine der wenigen Zeugen erzählte sie mir später davon, wie mein Großvater umgekommen war.

      Die Opfer des Massakers wurden in einem Massengrab vor der Kirche in Gottschimmerbruch beigesetzt. Ein zufällig anwesender Pfarrer, der auf der Flucht war, gab ihnen den letzten Segen.


1945 — Leben in der Nachkriegszeit


Friedeberg unter sowjetischer Besatzung

Auszug aus: Geschichte der Stadt Strzelce Krajenskie / Friedeberg in der Neumark, Seite 70–71 von GRZEGORZ GRALINSKI (Strzelce).


      Im Januar 1945 hatte nur ein Teil der Einwohner Friedebergs die Stadt noch vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen, der am 29. Januar erfolgte, verlassen können, um möglichen Kampfhandlungen auszuweichen und den Grausamkeiten der Besatzungsmacht zu entgehen. Da in Friedeberg kaum deutsche Truppen waren, wurde die Stadt kampflos erobert.

      Erst später folgte eine weitgehende Zerstörung der Stadt (80 %) während der 2–3 Monate dauernden sowjetischen Besatzung. Im Februar und März 1945 wurden Maschinen und Ausrüstung der örtlichen Fabriken und Werkstätten zuerst demontiert und dann in die Sowjetunion überführt. Auch Möbel, wertvolle Kunstwerke sowie Zuchttiere wurden zur Beute der Besatzer. An der Tagesordnung waren auch Vergewaltigungen deutscher Frauen, Plünderung und Raub vom privatem und öffentlichem Hab und Gut, aber auch gezielte Brandstiftungen von Wohnhäusern.

      Anfang Februar wurde die Verwaltung der eroberten Stadt durch die sowjetische Bezirks-Kriegskommandantur mit dem Kommandanten Major Borys Bywaly an der Spitze übernommen. Sie residierte im Gebäude des ehemaligen deutschen Landratsamts. Anfangs basierte die Verwaltung auf dem deutschen System mit einem deutschen Bürgermeister. Weil sich die Stadt nahe der Front befand (bis zum 16. April 1945), waren vor allem die Versorgung der sowjetischen Armee, die Stabilisierung und Normalisierung des Lebens in der Stadt, aber auch die Verpflegung der Einwohner mit Grundnahrungsmitteln zu Hauptaufgaben der Kommandantur und der deutschen Verwaltung.

      Alle größeren Gebäude (hauptsächlich Schulgebäude) wurden zu Lazaretten umgestaltet. Die verwundeten sowjetischen Soldaten wurden dort vom russischen Sanitätssdienst behandelt, unterstützt von deutschen Ärzten und deutschen Hilfskräften.

      Wahrscheinlich wegen der immer häufigeren Fälle von Plünderungen der deutschen Bevölkerung und der Auflockerung der Disziplin innerhalb der sowjetischen Truppe, hatte man in der zweiten Hälfte des Februars eine Hilfsabteilung der polnischen Miliz bei der Kriegskommandantur ins Leben gerufen. Die Abteilung zählte 30 Personen. Sie bestand hauptsächlich aus ehemaligen Kriegsgefangenen des Offizierlagers (Oflag) II C Woldenberg (Dobiegniew) und wurde von Hauptmann Edmund Wojtal aufgestellt und dann kommandiert.

      Die polnische Miliz bewachte die Lagerhallen auf dem Bahnhof und ging zusammen mit den sowjetischen Soldaten auf Patrouille, um Sicherheit und Ordnung in der Stadt zu halten.

      In der polnischen historischen Literatur zu dieser Thematik finden wir keine Erwähnung über die Wirksamkeit der polnischen Miliz. Man sollte vermuten, dass die Abteilung nicht erfolgreich war und dass die Struktur selbst fehlerhaft war (in Friedeberg regierten immer noch die Sowjets), weil sowohl der Bahnhof samt Lagerhallen als auch der größte Teil der Altstadt, einschließlich der historischen Pfarrkirche, zerstört wurden.

[Von den Anfängen der polnischen Verwaltung]


2011 — 725-jähriges Stadtjubiläum Friedebergs


Jubiläum in Strzelce Krajenskie

Fahrt zur gemeinsamen Partnerstadt / Vertreter aus Tornesch und Jammerbugt nehmen an Feierlichkeiten teil

Gefunden in: Uetersener Nachrichten, Uetersen bei Pinneberg, 17. Juni 2011, Seite xx (Lokales). [Original]

      TORNESCH/STRZELCE KRAJENSKIE. An diesem Wochenende begeht die polnische Partnerstadt Strzelce Krajenskie ein besonderes Jubiläum, zu dem Bürgermeister Tadeusz Feder bereits im vergangenen Jahr im Rahmen der Tornescher Festtage zu 725 Jahre Esingen eingeladen hatte.

      Denn auch Strzelce Krajenskie (in seiner wechselvollen Geschichte auch ehemals Friedeberg in der Neumark) blickt nun auf eine 725-jährige Geschichte zurück. Die erste schriftliche Erwähnung über die Stadt stammt aus dem Jahr 1286. Und zwar wurde in Strzelce eine Stiftungsurkunde ausgefertigt, die das in der Ortschaft Bierzwnik (Marienwalde) gelegene Zisterzienserkloster betraf.

      Mit einer feierlichen Ratsversammlung im Stadtamt mit Vortrag zur Geschichte der Stadt, einer historischen Ausstellung im Speicherhaus, einem Umzug durch die Stadt, einem Fest mit Jahrmarkttreiben, der Enthüllung einer Sonnenuhr auf dem Altstadtmarkt und einer Kranzniederlegung zum Gedenken an die ehemaligen deutschen Einwohner des Landeskreises Friedeberg wird das Stadtjubiläum begangen.

      Mit dabei auch eine von Bürgermeister Roland Krügel geleitete Delegation, der Horst Lichte (SPD-Ratsherr), Arnold Hatje (CDU-Ratsherr), Ronald Schulze (Grüne, bürgerliches Mitglied), die Schulleiterin der Johannes-Schwennesen-Schule Maria Leipold, Seniorenbeiratsmitglied Georg Haese (Dolmetscher) und Verwaltungsmitarbeiterin Vera Ellerbrock (Koordinatorin für Städtepartnerschaften) angehören. Mit im Gepäck als Gastgeschenk haben die Tornescher Repräsentanten unter anderem eine Urkunde und eine 50 Zentimeter hohe Keramiknachbildung eines Strzelcer Wahrzeichens: den Fangturm der im 14. Jahrhundert errichteten Gefängnisbastei (auch Hexenbastei genannt).

      Die Tornescher haben sich jedoch nicht alleine auf den Weg in die Partnerstadt gemacht. Sozusagen auf halber Strecke sind Mogens Gade, Bürgermeister der dänischen Kommune Jammerbugt, sowie Ratsfrau Inge Pedersen und Ratsherr Lars Holt mit in den Bus gestiegen. Denn Jammerbugt, beziehungsweise die Teilkommune Aabybro, unterhält seit 1993 partnerschaftliche Beziehungen zu Strzelce Krajenskie. Und über die gemeinsame polnische Partnerstadt ist auch die Partnerschaft zwischen Tornesch und Jammerbugt vor drei Jahren entstanden.


1809 — Beschreibung des Kreises Friedeberg


Der Friedebergische Kreis

Aufgeschrieben von F.W.A. Bratring im Buch „Beschreibung der Mark Brandenburg“.

Gefunden in: Der Brandenburger Landstreicher, 12. Februar 2010, xxx (Die Neumark). Das Original enthält noch eine Liste der Ortschaften des Kreises von um 1809, die hier nicht übernommen wurde. [Original]

      Der Friedebergische Kreis grenzt gegen Süden an den Landsbergischen Kreis und an das Herzogtum Warschau [Polen], gegen Osten an Warschau und an den Netzedistrikt, gegen Norden an den Arenswaldischen Kreis und an Pommern und gegen Westen an den Soldinischen und Landsbergischen Kreis. (Hinterkreis)

      Der nördliche und südliche Teil des Kreises ist hoch, und hat leichten Boden; doch zeichnen sich einzelne Gegenden bei Friedeberg und Woldenberg durch einen sehr tragbaren Getreideboden aus. Die Mitte besteht, auf beiden Seiten der Netze, aus einem sehr fruchtbaren Landstrich, das Netzebruch genannt, welches durch die Bewallung dieses Stroms und durch Anlegung einiger Kanäle, auf Kosten der Regierung in verschiedenen Zeitpunkten urbar gemacht und mit Kolonisten bestzt ist. Der Grund und Boden des Bruches zeichnet sich, ungeachtet er Torf enthält, sehr durch seine Fruchtbarkeit und seinen Heuertrag aus. Die Gegend bei Driesen ist sehr sandig; der Mangel des tauglichen Ackers wird dort aber durch die angrenzende Bruchgegend ersetzt.

      Die Netze durchströmt den Kreis von Osten nach Westen, und nimmt nördlich die Drage mit einer großen Anzahl Nebenflüsse und die Pulze, und südlich das Hammerfließ und Lubiathflies auf. Fast kein Kreis hat so viele und große Seen. Die vorzüglichsten sind der Große Lubow, die Hermsdorfschen und die Seen in der Gottschimmer-Haide.

Die Stadt Friedeberg

      Die Immediatstadt und Hauptkreisstadt Friedeberg liegt auf einer Anhöhe, 9 Meilen von Cüstrin und 3 Meilen von Landsberg an der Poststraße nach [Ost-]Preußen, und wird gegen Norden und Osten von dem Obern- und Unternsee eingeschlossen. [1 Meile ~ 7,5 km]

Die Stadt Driesen

      Die Immediatstadt Driesen liegt an der Poststraße nach [Ost-]Preußen, in einer angenehmen Gegend, an der Netze, eine Meile von der Grenze des Herzogtums Warschau, zwei Meilen von Friedeberg, und hat auf der Nordseite hohe Sandgegenden und südlich die Netze und deren Bruch.

Die Stadt Woldenberg

      Die Immediatstadt Woldenberg liegt von allen Landstraßen entfernt, 2 Meilen von Friedeberg und 1,5 Meilen von der Grenze des Herzogtums Warschau, auf einer niedrigen Ebene an einem Bach [Ed: das Mehrenthiner Fließ], der die vielen Seen, womit der Ort mehr oder weniger entfernt umgeben ist, in Verbindung setzt.


1870 — Biographie von Dr. Neumann


Ein Wegbereiter der modernen Physiotherapie

Das Leben des Dr. Albert Constantin Neumann.

Aus: „Über die Anfänge der Schwedischen Heilgymnastik in Deutschland — ein Beitrag zur Geschichte der Krankengymnastik im 19. Jahrhundert“, Medizin-Dissertation von JULIA HELENE SCHÖLER, geb. Pleyer (Westfälische Wilhelms-Universität Münster, 2005).

      Albert Constantin Neumann wurde am 15. September 1803 in der Provinz Preußen geboren. Nach Abschluss seines Medizinstudiums wurde er Kreisphysikus zunächst in Straßburg (Westpreußen), dann in Graudenz.

      Durch die Lektüre der „Heilgymnastik“ von Rothstein erfuhr er von Ling und der schwedischen Heilgymnastik. Im Sommer 1847 besuchte er Rothstein in Berlin, versicherte ihm sein starkes Interesse an der schwedischen Heilgymnastik und bat Rothstein um weitere Informationen darüber.

      Nach der ersten Begegnung mit Neumann schrieb Rothstein am 4. August 1847 in einem Brief an Branting, Neumann sei „ein eifriger Freund für Lings Heilgymnastik geworden“ (148). Seine Absicht, sich bei Branting in Stockholm aus erster Hand Kenntnisse über dessen Heilgymnastik zu verschaffen, konnte Neumann erst im Sommer 1850 verwirklichen. Rothstein hatte Neumann einen Brief an Branting mitgegeben, in dem er Neumann nachdrücklich empfiehlt und Branting bittet, ihm alle gewünschten Auskünfte zu geben und ihm zu ermöglichen, die Praxis der gymnastischen Therapeutik in Stockholm kennen zu lernen. (149)

      Nach seiner Rückkehr aus Schweden richtete Neumann in Graudenz einen Kursaal für schwedische Heilgymnastik ein, der am 1. Oktober 1850 eröffnet wurde. 1851 erhielt Neumann vom preußischen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten den Auftrag zu einer weiteren Reise zum Studium der schwedischen Heilgymnastik. Diese Reise dauerte vier Monate und führte Neumann nach Stockholm, London und St. Petersburg. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte Neumann 1852 seine erste umfassende Schrift über die schwedische Heilgymnastik. (150)

      1853 zog Neumann nach Berlin und eröffnete am 7. Februar hier ein Institut für Heil- und pädagogische Gymnastik, in dem er auch heilgymnastische Helfer und Helferinnen ausbildete. Aus dem Kontakt zu Rothstein resultierte, dass Neumann neben Rothstein Herausgeber der ab 1854 erschienenen Zeitschrift „Athenaeum für rationelle Gymnastik“ wurde, in der er zahlreiche eigene Aufsätze und auch Literaturrezensionen veröffentlichte.

      Bereits 1855 ergaben sich aufgrund der verstärkten Hinwendung Neumanns zur Od-Lehre Differenzen zwischen ihm und Rothstein, der sich zum Beispiel in einem Brief an Branting am 9. September 1855 wie folgt äußerte: „Ob das Athenaeum noch länger hin unter der gemeinsamen Redaktion von mir und Dr. Neumann werde fortbestehen können, scheint mir in der letzten Zeit zweifelhaft zu werden. Dr. Neumann macht so sonderbare extravagante Sprünge, daß ich ihm mit meinem gymnastischen Gewissen nicht überall mehr folgen kann. Für jetzt ist sein Steckenpferd die
Reichenbachsche Od-Lehre [Ed: die eine Lebenskraft Od (von Odin) postuliert, die nach ihm eine dem Magnetismus ähnliche Kraft sein soll] und Dr. Neumann ist schon daran, statt Heilgymnastik eine Heil-Odik zu treiben. Dazu kommt, daß er mehr und mehr das Dasein eines Lingschen Systems bestreitet, nirgends einen Fortschritt anerkennt als wo man in seine (Neumanns) Fußstapfen tritt, und nur solche Stimmen gelten läßt, die nach seiner Trompete blasen.“ (151)

      1856 trennte sich Neumann von Rothstein und schied als Herausgeber des „Athenaeum für rationelle Gymnastik“ aus. Die Zeitschrift erschien noch bis zum Ende des Jahres 1857, dann wurde das Erscheinen eingestellt, was Rothstein damit begründete, sich mit ganzer Kraft jetzt der Fertigstellung seiner Schrift über die ästhetische Gymnastik widmen zu wollen. (152)

      Neumanns Engagement für die Od-Lehre und die hartnäckige Einseitigkeit, mit der er seine Auffassungen vertrat, führten gegen Ende der fünfziger Jahre dazu, dass er im Kreise seiner ärztlichen Kollegen nicht mehr ernst genommen wurde. Er vereinsamte, 1862 kündigte ihm der Hauswirt, und er musste sein Institut in Berlin umsiedeln. Als schließlich auch die Patienten in seinem Institut ausblieben, kam es 1867 zum Konkurs.

      Neumann zog sich nach Friedeberg in der Neumark zurück, wo er die Stelle des Kreisphysikus übernahm und dort im Sommer 1870 starb.


xxx — xxxxxx


(to-be done).


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