Dobiegniew (Polen)   —  Dies & Das – Teil 3 khd
Stand:  1.12.2013   (32. Ed.)  –  File: WBG/Ex/Dobiegniew_Dies&Das_03.html



Dobiegniew Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

   
  D o b i e g n i e w
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Auf diesen „Dies & Das“-Seiten sind neben Informationen zur polnischen Kleinstadt Dobiegniew im Lebuser Land auch interessante Artikel zu den deutsch-polnischen Beziehungen dokumentiert. Die Dokumentationen stammen aus verschiedenen Quellen, die jeweils angegeben sind.

I n d e x :


Polen — Karte mit Provinzen von 2000

Polen-Karte von 2000
^   Polen im Jahr 2000. Polens Staatsgebiet ist in Wojewodschaften (Provinzen) eingeteilt, die durch eine Provinzregierung verwaltet werden. Dobiegniew (roter Punkt) – das frühere Woldenberg – liegt wie Driesen (Drezdenko), Friedeberg (Strzelce Krajenskie) und Landsberg (Gorzòw) in der Provinz „Lubuskie“ (Lebuser Land).

Durch Klicken auf die Karte wird eine vergrößerte Darstellung mit höherer Auflösung in einem extra Fenster angezeigt (310 kByte). Das ist bei dieser Karte besonders notwendig, um Einzelheiten erkennen zu können.
 (Repro: 2006 – khd)


Polen & Deutschland — Versöhnung


„Was mit Frankreich so prima klappte, muß auch mit Polen klappen“

Zwei Generationen nach dem Krieg ist nun wirkliche Aussöhnung zwischen den einst so verfeindeten Völkern beiderseits der Oder angesagt.

      BERLIN – 1. Mai 2009 (khd). Heute sind es 5 Jahre her, seit dem Polen und andere ehemalige Ostblock-Staaten in die Europäische Union (EU) aufgenommen wurden. Es hatte fast 60 Jahre gedauert, um die nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte unnatürliche Teilung Europas in Ost und West endgültig zu überwinden – um aus mörderischem Krieg endlich Frieden und aus menschenverachtenden Diktaturen hoffentlich transparente Demokratien zu machen. Zwar hapert es in Richtung Polen auch heute noch immer bei der Verbesserung der Verkehrswege über die Oder/Neiße, aber der lange Prozess der Versöhnung ist in den letzten Jahren in Gang gekommen.

      Bei einer politischen Befragung Anfang der 1980-Jahre hatte ich auf die Frage nach einer Friedenspolitik in Richtung Polen festgestellt: „Was mit Frankreich nach 1945 so prima klappte, muß und wird auch mit Polen klappen.“ Und heute nach Mauerfall, deutscher Einheit und Polen in der EU gilt das um so mehr. Das Versöhnen beginnt immer in den Köpfen der Menschen. Das ist natürlich leichter zu erreichen bei einer Stimmung des Das-Grundsätzliche-gelöst-zu-habens. Zwar wird es immer wieder mal noch so einiges an ‚Störfeuer‘ von Gestrig-Denkenden auf beiden Seiten geben (CDU-Frau Steinbach!, Polens Regierung behinderte vereinbarten Jugendaustausch), aber das sollte keine Bedeutung mehr haben. Die allermeisten Menschen der in Polen und Deutschland nachgewachsenen Generationen wünschen sich eine solide Aussöhnung und ein Zusammenleben in guter Nachbarschaft.


[01.05.2004: Willkommen in der EU!]  (khd-research.net)
[00.05.2006: Die Versöhnung zwischen Polen und Deutschland]  (KONRAD-ADENAUER-STIFTUNG)
[12.11.2013: Bericht vom wegweisenden Woldenberg-Symposium 2013]  (khd-research.net)



Dobiegniew — Dobiegniew-Cup 2009


Fußball-Auswahl in Polen auf Rang drei

Pessiner Hannes Pagel als bester Torwart geehrt / Erlebnisreiche Tage in der Partnerregion

Gefunden in: Märkische Allgemeine Zeitung, Potsdam, 29. Juli 2009, Seite xx (Aus der MAZ). [Original]

      DOBIEGNIEW. Zum zweiten Mal reiste eine Auswahlmannschaft der Altersklasse U 14 des Fußballkreises Havelland-Mitte zum Dobiegniew-Cup nach Polen. Dem Team gehörten 16 Spieler und 3 Betreuer an. Die deutsche Präsenz wurde durch Vertretungen des Amtes Golzow (U 10), sowie den Berliner Teams vom VfB Friedrichshain (U 10) und Schwarz-Weiß Hellersdorf (U 10 und U 16) ergänzt.

      Am Anreisetag stand nach einer Trainingseinheit die Begrüßung auf dem Starca Platz und dem anschließenden Einmarsch ins Stadion Kazimierza Gorskiego auf dem Programm. Untergebracht war die Mannschaft aus dem Havelland in einem Klassenraum des dortigen Gymnasiums. Die Turnierleitung stellte eine deutsch sprechende Team-Guidin zur Verfügung, die über alle Veränderungen im Turnierplan informierte und bei Freizeitaktivitäten beriet und begleitete.

      Schon in der Vorrunde trafen die Havelländer auf starke Gegner, denn alle dort vertretene Mannschaften trafen sich im Halbfinale wieder. Zur Gruppe 1 gehörten UKS Skra Wielkopolska (Polen), FM Vilnius (Litauen), MUKS Wolsztyn (Polen), die Havelland-Auswahl, Lucznik Strezelche Kraj (Polen) und UKS Impuls-Start Wawrow (Polen).

      Logo Dobiegniew-Cup
      In der Vorrunde belegte die Mannschaft aus dem Havelland den dritten Platz. Im Viertelfinale war Gastgeber Blekitni Dobiegniew der Kontrahent. Durch ein Tor von Tarig Rashied nach einer Ecke von Charlie Graf setzte sich das HVL-Team knapp mit 1:0 durch.

      Im Halbfinale wartete die Mannschaft von UKS Impuls Start Wawrow, die in der Vorrunde bezwungen wurde, auf die Havelländer. Doch zur Überraschung nicht nur des inzwischen angereisten Präsidenten des VfL Nauen, Lothar Strube, ließ der Gegner noch neue Spieler „einfliegen“ und so waren die HVL-Kicker zwar nicht chancenlos, ließen sich aber durch die ruppige Art des Gegners mit zunehmender Spielzeit völlig aus dem Konzept bringen. Am Ende hieß es knapp 1:0 für Wawrow.

      Am Finaltag spielte die deutsche Auswahl somit um Platz drei gegen MVKS Wolsztyn. Angefeuert von den Freunden aus Vilnius verwandelte Kapitän Tim Engelhardt eine Ecke von Charlie Graf zum erlösenden 1:0 ­ wiederum kurz vor Schluss. Insgesamt kann der Vertretung eine geschlossenen Mannschaftsleistung bestätigt werden. Es hat viel Spaß gemacht, dem Kombinationsspiel zuzusehen. Einzig die so viel beschriebene internationale Härte machte den Jungs ein wenig zu schaffen. Bei der Siegerehrung gab es für das HVL-Team viel Beifall. Als es dann zur Bewertung des besten Torwartes kam, war für Keeper Hannes Pagel von Blau-Weiß Pessin die Überraschung groß. Von der Jury, bestehend aus Turnierleitung, Trainern und Schiedsrichtern, erhielt er die Trophäe des „Besten Torwarts“.

      Bemerkenswert war auch, dass die örtliche Presse Gazeta Lubuska einen zweispaltigen Artikel mit Bild über die Havelland-Auswahl geschrieben hat. Dies zeigt den Stellenwert der Beziehungen zur havelländischen Partnerregion Dobiegniew.

      Das Turnier auf vier Rasenplätzen mit insgesamt 49 Teams vom Bürgermeister Leszek Waloch, seiner Verwaltung, den Schulen und dem örtlichen Fußballverein organisiert, bot neben den Spielen ein reichhaltiges Rahmenprogramm für die Teilnehmer. Im nahe gelegenen Badesee konnten die Teams nicht nur baden, sondern auch kostenlos Kajak, Segeln und Tretboot fahren. Jeden Abend spielten auf der Bühne im Stadion entweder Live-Bands oder es war Disco bis weit nach Mitternacht angesagt.

      Beim abendlichen Treiben auf dem Sportgelände trafen die Jungs aus dem Havelland nicht nur „alte Bekannte“ aus dem Jahr zuvor wieder, sondern kamen auch mit den neuen Teams aus Litauen, der Ukraine und Polen ins Gespräch, da in jedem Team zumindest einer Deutsch oder Englisch sprach. Und sollte dies mal nicht der Fall sein, so halfen die Hände und Füße.

      Ein herzlichen Dank geht an die Firma BVBnet für den reibungslosen Transport sowie an den Kreis Havelland, ohne deren finanzielle Unterstützung diese Woche nicht möglich gewesen wäre. Für das nächste Jahr ist die Mannschaft bereits wieder eingeladen. Dem Team liegen außerdem Einladungen nach Litauen und der Ukraine vor. Im Januar kommt das Team von Blekitni Dobiegniew zum Wintercup als Gegenbesuch nach Falkensee.


Dobiegniew — Woldenberg-Touren 2010

Wörlitz-Tourist -- Auszug aus dem Tagestouren-Prospekt 2010
^   Tagestouren nach Woldenberg und Mehrenthin. Das Reisebüro „Wörlitz-Tourist“ bot 2010 solche Bus-Tagesfahrten ab Berlin zum Preis von 56 Euro an. Für Nicht-Autobesitzer ist das durchaus eine Möglichkeit, dieser schönen Gegend der früheren Neumark einen Kurzbesuch abzustatten, denn die Bahnverbindungen dorthin sind noch immer miserabel. Da aber gleich Friedeberg, das Kriegsmuseum OfLag IIC, Woldenberg, Mehrenthin sowie eine Fahrt durchs Netzebruch bis hin nach Schwerin an der Warthe auf dem Programm stehen, wird nur sehr wenig Zeit zum Besichtigen von Woldenberg selbst verbleiben.

Vermutlich wird es auch in den nächsten Jahren ab Berlin solche Tagestouren nach Dobiegniew (Woldenberg) geben. Obiger Prospekt-Text enthält einen Fehler: Woldenberg hatte bis 1945 kein „StaLag IIC“ (Standard-Lager), sondern ein „OfLag IIC“ (Offiziers-Lager).
 (Repro: 2010 – khd)


Polen & Deutschland — Bahnverbindungen 2011


Schlechter verbunden als zu Dampflokzeiten

Neue Freizügigkeit: Ab Mai nimmt der Verkehr zwischen Berlin und Polen zu. Die Eisenbahnen auf beiden Seiten sind darauf nur unzureichend vorbereitet.

Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 26. April 2011, Seite 13 (Brandenburg) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

      BERLIN (Tsp). Etwa 15 Millionen Berliner und Brandenburger fahren jährlich nach Polen. Mehr als eine halbe Million Polen fliegen vom Flughafen Schönefeld in die Ferne. Mit der Freizügigkeit vom 1. Mai an, die es Polen erlaubt, sich überall in der EU niederzulassen und zu arbeiten, wird der Verkehr weiter zunehmen. Vor allem auf den Straßen. Etwa 600 Kleinbusse aus Polen kommen allein in Schönefeld wöchentlich an. Mit der Bahn sind im deutsch-polnischen Grenzverkehr nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) je nach Strecke nur 2 bis 7 % der Reisenden unterwegs, was auch einen Grund hat: 61 Jahre nach dem Ende des Krieges fahren auf den einstigen Hauptstrecken weit weniger Züge als in den 1930er Jahren. Und sie sind in der Regel langsamer als zu Dampflokzeiten. Der Wiederaufbau kommt kaum voran.

      Bahn nach Polen 2011
^   Bahnstrecken von Berlin nach Polen. Irgendwie hat die Deutsche Bahn nicht mitgekriegt, daß Europa zusammenwächst. Sie hatte viele Jahre, sich darauf technisch vorzubereiten. Aber es geschah fast nichts. Die Bahnpolitik der Bundesregierung ist eine einzige Katastrophe. [Deutsche Bahn auf Abwegen]   (Grafik: 2011 – tsp-modif)
      Bereits 2003 war der Ausbau der Strecke nach Stettin als „Internationales Projekt“ in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden. Die erforderliche Regierungsvereinbarung ist bis heute nicht zustande gekommen. So klafft auf der Strecke weiter eine Lücke im Oberleitungsnetz von etwa 40 Kilometer Länge, 30 Kilometer liegen auf deutschem Gebiet. Zudem ist dieser Abschnitt nur eingleisig. Wäre die Strecke komplett ausgebaut, würde sich die Fahrzeit zwischen Berlin und Stettin nach Angaben der Bahn von derzeit rund 2 Stunden auf 80 bis 90 Minuten reduzieren. Derzeit bremsen zusätzlich Schäden an der Strecke die Züge, die auf einem Abschnitt nur noch 50 km/h fahren können.

      Weil sich am Tempo auf unabsehbare Zeit nichts ändert, hat es der VBB zusammen mit seinen Partnern in Polen geschafft, beim Preis in die Offensive zu gehen. Seit dem vergangenen August kostet die Fahrt zwischen Berlin und Stettin nur noch 10 Euro; vorher waren mit einem Verbundfahrschein 16,70 Euro fällig. Die Zahl der Fahrgäste ist damit nach Angaben von VBB-Chef Hans-Werner Franz von knapp 500 im Monat auf über 3.000 gestiegen. Die Bahn zieht bis heute jedoch nicht mit und verlangt im Internet mindestens 27,50 Euro für die gleiche Strecke.

      Zudem hatten die deutsche und die polnische Bahn zu Beginn des Jahres für die wenigen Zeitkartenkunden die Preise drastisch erhöht, indem sie die Monatskarten abschafften. Die Bahnverwaltungen hatten sich nicht einigen können, wie die Einnahmen aufgeteilt werden sollen. Vor allem die Gemeindevertretung von Tantow, der letzten Station in Deutschland vor der Grenze, hatte sich dagegen gewehrt. Mit Erfolg: Vom 12. Juni an kehren die Zeitkarten zurück ins Angebot.

      Während es nach Stettin immerhin einen spärlichen Fernverkehr gibt, fahren auf der Ostbahn, die einst Berlin mit Königsberg verband, nur noch Regionalzüge bis ins frühere Küstrin, heute Kostrzyn. Der größte Teil der Strecke ist nur noch eingleisig, das zweite Gleis war nach dem Krieg demontiert worden. Dagegen ist die Rennstrecke zwischen Berlin und Warschau mit Fernzügen zwischen beiden Städten auf deutschem Gebiet seit der Wende fast komplett für Tempo 160 ausgebaut worden. Lediglich in Berlin sowie zwischen Frankfurt (Oder) und der Grenze sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen. Züge ins frühere Breslau, heute Wroclaw, werden auch etwas schneller, wenn die Züge von Dezember an zwischen Berlin und Cottbus 160 km/h fahren dürfen. Die Strecke wird derzeit ausgebaut. Bestehen bleibt aber trotz der Millioneninvestitionen auch hier ein langer eingleisiger Abschnitt.

      In Polen sieht es allerdings nicht viel besser aus. Seit 1990 ist dort rund ein Viertel des Netzes stillgelegt worden. Und jetzt versucht die Regierung, 1,2 Milliarden Euro der EU, die für die Bahn vorgesehen waren, in Straßenprojekte zu stecken. Die Bahn hat es auf beiden Seiten der Grenze – noch – schwer [Ed: und
warum ist das so?].


Lubuskie & Brandenburg — Öffnung des Arbeitsmarkts 2011


Zum Job über Oder und Neiße

In 3 Tagen gilt auch in Deutschland die EU-Freizügigkeit für Beschäftigte aus Osteuropa.

Aus: Märkische Allgemeine Zeitung, Potsdam, 28. April 2011, Seite xx (Wirtschaft). [Original]

      FRANKFURT/ODER (maz). Im Arbeitsamt im polnischen Zielona Gora [Ed: früheres Grünberg, heutige Hauptstadt der Provinz Lubuskie (Lebuser Land)] klingelt täglich 10 mal das Telefon, weil sich Menschen über Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland informieren wollen. „Das Interesse ist da“, so Amts-Sprecherin Agata Bajon kürzlich auf einer Tagung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Frankfurt (Oder). Die Wojewodschaft Lubuskie auf der Ostseite der Oder zählt traditionell zu den weniger entwickelten Gebieten Polens mit hoher Arbeitslosigkeit und geringen Löhnen. Da lockt der Arbeitsmarkt im Westen. Ähnliches gilt für die an Sachsen angrenzende Wojewodschaft Niederschlesien. Bei einem Informationstag in Zgorzelec kamen über 1.500 Interessierte in einen viel zu kleinen Raum, wie der sächsische DGB-Vize Markus Schlimbach erzählt.

      Drei Tage vor der Grenzöffnung für Arbeitskräfte aus Osteuropa herrscht noch immer Rätselraten darüber, wie viele Menschen tatsächlich vom 1. Mai an in Deutschland ihr Geld verdienen wollen. Auf beiden Seiten der Grenze schwanken die Erwartungen zwischen Hoffnung und Sorge. Einen „absolut starken Effekt“ für die deutsche Wirtschaft erwartet Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts [Ed: der aber allzuoft schon viel Murks erzählt hat]. Ohne Zuwanderung aus Osteuropa könnte sich der Boom in Deutschland aus Mangel an Fachkräften tot laufen. Die Gewerkschaften sorgen sich dagegen um Dumping- Konkurrenz. Die 7 Jahre Schonfrist durch die Beschränkung der Freizügigkeit seien ungenutzt verstrichen, klagt Petra Meyer, Arbeitsmarktexpertin des DGB Berlin-Brandenburg.

      Deshalb verlangen die Gewerkschaften einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro und schärfere Kontrollen der Einhaltung von Mindestlöhnen und Schutzbestimmungen. Die Gewerkschaften sehen die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich. In einer von Verdi und der Gewerkschaft Nahrung, Gaststätten, Genuss (NGG) in Auftrag gegebenen Infratest-Umfrage unterstützten 76 % die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn, um Lohndumping zu verhindern. Auch das Handwerk drängt auf Kontrollen, um Dumping-Konkurrenz zu verhindern.

      In Polen wiederum befürchten Unternehmen, dass ihnen jetzt gute Leute abgeworben werden. Der Mindestlohn liegt östliche von Oder und Neiße bei nur 350 Euro im Monat. Für Grenzpendler könnte schon ein 400-Euro-Job attraktiv sein. Wer in Deutschland eine Unterkunft finanzieren muss, braucht aber mindestens 1.000 Euro, schätzt Boguslaw Motowidelko, Chef der Gewerkschaft Solidarnosc in Zielona Gora. Er wisse zum Beispiel von Kollegen, die in der Lebensmittelindustrie in den Niederlanden arbeiteten und dort 1.300 Euro im Monat verdienten. „Wenn die Leute in Brandenburg auf 1100 Euro kommen, gehen sie nach Brandenburg“, sagt er auf der DGB-Tagung in Frankfurt (Oder). Durch die neue Konkurrenz in unmittelbarer Nachbarschaft könnten die Löhne gerade in den westlichen Wojewodschaften steigen, hofft der Solidarnosc-Vertreter. Es könnten sich aber auch der Fachkräftemangel und damit die Strukturschwäche des Grenzgebiets verschärfen. In Ingenieurberufen gibt es dort schon jetzt ein Defizit, sagt Agata Bajon vom Arbeitsamt Zielona Gora.

      Aus polnischer Sicht bedeute der 1. Mai aber keine Zäsur, betont Gewerkschafter Motowidelko. Schon beim EU-Beitritt Polens 2004 gab es eine große Wanderungswelle, vor allem nach Großbritannien und Irland, die ihre Arbeitsmärkte sofort öffneten. Allein in England arbeiteten zeitweise bis zu 700.000 Polen. Einige könnten sich jetzt nach Deutschland umorientieren, schätzt der Gewerkschafter. Nach Brandenburg dürften aber nur wenige gehen, wegen der eher niedrigen Löhne.

      Diese Erwartung wird allgemein geteilt. Ins Grenzgebiet würden nicht allzu viele Arbeitskräfte aus Polen kommen, schätzt Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg. Obwohl sich Kammern und Gewerkschaftsbund zu einer „Willkommenskultur“ verpflichtet haben, rechnet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nur mit bis zu 3.000 Zuwanderern nach Brandenburg. Die Sprachbarriere ist hoch, nur wenige polnische Jugendliche sprechen Deutsch. „Unsere Fachkräftelücke können wir so nicht schließen“, betont denn auch Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske (SPD). Qualifizierte Zuwanderer aus Osteuropa würden gleich nach Süd- oder Westdeutschland gehen, wo besser bezahlt werde. Hilfskräfte dagegen könnten tatsächlich kommen und das ohnehin niedrige Lohnniveau in einigen Branchen unter Druck setzen.

      Aus Sicht des DGB betrifft das vor allem Leiharbeit und Pflege. Allein in der häuslichen Pflege gibt es der Gewerkschaft zufolge schon jetzt mehr als 100.000 ausländische Pflegekräfte. Überwiegend sind es Frauen aus Polen, und die meisten arbeiten als Scheinselbstständige oder illegal. Der Mindestlohn für die Pflege wird dadurch unterlaufen, dass die Frauen als Haushaltshilfen eingestuft werden. Polnische Agenturen bieten Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu Preisen ab 1200 Euro im Monat an — also Stundenlöhne unter 2 Euro. Skandalös sind solche Arbeitsbedingungen, sagt Marta Böning, die im „Beratungsbüro für entsandte Beschäftigte“ arbeitet, das der DGB in Berlin eingerichtet hat. Die aus Polen stammende Arbeitsrechtlerin setzt auf Aufklärung der Zugewanderten.

      Mit der Freizügigkeit könnte es jetzt besser bezahlte Alternativen für diese Frauen geben. Das glaubt auch Karin Weiss, Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg. Mit dem steigenden Lohnniveau in Polen seien diese immer weniger zu schlecht bezahlten Hilfsdiensten in Deutschland bereit. „Das können sie daran erkennen, wer in Berlin in Privathaushalten putzen geht“, erklärt sie. Statt aus Polen kämen die Putzfrauen jetzt oft aus Rumänien, der Ukraine oder noch weiter aus dem Osten. In der häuslichen Pflege sei ähnliches zu erwarten.


Dobiegniew — Fragen zur Landwirtschaft


12.11.2013 (khd). Im Herbst 2013 beantwortete der Dobiegniewer Ortschronist Norbert Gierlowski (Jg. 1942) etliche Fragen zu Dobiegniew, die über die Zeit angefallen waren. Darunter sind auch einige, die sich mit der heutigen Landwirtschaft befassen. Diese sind im folgenden mit den Antworten zusammengestellt.







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