Einst erhielten die Franzosen [Ed: arbeiteten als französische Kriegsgefangene auf dem
Bauernhof der Brauers] und ich den Auftrag, eine Fuhre Kartoffeln ins Kriegsgefangenenlager für
polnische Offiziere in Woldenberg heute ein Museum zu liefern. In dem Lager wurden ca.
7.500 Offiziere gefangen gehalten. Kein Franzose durfte die Schwelle des Lagers betreten, so daß
ich allein mit dem Ackerwagen an den Steinbaracken entlangfuhr.
Als die Kartoffeln in die Keller entladen wurden, näherte sich ein polnischer Major. Er
offerierte mir ein Stück Seife, für ihn eine symbolische Handlung, die, wie er andeutete,
vielleicht seinem gleichaltrigen Sohn in Polen widerfahren würde. Die Fühlungsnahme machte mich
verlegen.
Mir schlug das Herz bis zum Hals. Ich war unsicher, ob ich die Gabe annehmen durfte oder
ablehnen mußte. Wie sollte ich handeln? Die Rechtslage war glasklar. Jegliche Kommunikation war
illegal und strikt untersagt. Allzeit wurden wir von dem Wachpersonal streng beobachtet. Der Vorfall ging
unter die Haut und wirkte langfristig.