Woldenberg (Neumark)   —  Der Bahnhof khd
Stand:  8.8.2014   (28. Ed.)  –  File: WBG/St/Woldenberger_Bahnhof.html



Woldenberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

    Woldenberg -- Bahnhof um 1900
^   Woldenbergs Bahnhof um 1900. Es läuft gerade ein von einer Dampflok gezogener Zug aus Kreuz ein. Im Bahnhof lagen 2 Gleise und 1 Abstellgleis, ansonsten war die Strecke Kreuz — Stargard eingleisig.   (Repro: 2004 – khd)
Woldenberg hatte Glück und erhielt schon früh einen richtigen Eisenbahnanschluß. Schon im August 1847 konnte der Woldenberger Bahnhof an der Strecke von Posen nach Stargard/Pm eröffnet werden. Und dieses Gebäude steht noch heute in Dobiegniew.

Viele Woldenberger wollten damals die Eisenbahn nicht dicht bei der Stadt. Aber Woldenberg hatte von 1840 bis 1866 einen Bürgermeister Milferstaedt mit Weitblick, der sich stark für die dann gebaute Streckenführung einsetzte.

In
Wikipedia heißt es (2007): „Die Stargard- Posener Eisenbahn- Gesellschaft (SPE) erbaute eine 170 km lange eingleisige Hauptbahn, die eine direkte Verbindung der beiden Provinz- Hauptstädte Stettin und Posen ermöglichte. Sie querte in Kreuz die Ostbahnstrecke Berlin — Schneidemühl. Der erste Abschnitt von Stargard an der Berlin-Stettiner Eisenbahn wurde am 10. August 1847 bis Woldenberg in der Neumark eröffnet. Wegen der politischen Wirren jener Jahre, wurde der zweite Abschnitt schrittweise in Betrieb genommen und Posen am 10. August 1848 erreicht.“   [Translation-Service]

I n d e x : 

Woldenberg — Der Bahnhof

Woldenberg -- Bahnhof mit Vorplatz
^   Woldenberger Bahnhof an der Strecke Kreuz — Stargard/Stettin. Die meisten Woldenberger liefen in der Nacht vom 26. auf den 27. Januar 1945 das letzte Mal über diesen (damals tiefverschneiten) Vorplatz, um mit dem Zug vor den Russen über Stettin nach Westen zu flüchten. [Flucht vor den Russen]  [Einfall der Russen 1945]   (Repro: 2007 – khd)


Woldenberg — Fahrplan aus den 1930er-Jahren


Woldenberg -- Fahrplan der Reichsbahn (1930er-Jahre)
^   Woldenberg – Fahrplan der Reichsbahn aus den 1930er-Jahren.  (Repro: 2011 – khd)

Und wer die regulären Bahnverbindungen erfahren will, wie sie 1944/45 bestanden, kann das im Internet erfahren. Denn alle Fahrplan-Seiten des Kursbuches 1944/45 der Reichsbahn stehen im Netz. Auf der Seite mit dem Plan 129a findet man die Woldenberg-Verbindungen.


Woldenberg — Vom Bau der Eisenbahn Stargard — Posen


Bahnhof Woldenberg Nm.

Woldenberger wollten keine Eisenbahn dicht bei der Stadt

Gefunden in: Rau-Sammlung (Seite 133). Der Autor ist unbekannt. Offensichtlich ist diese Beschreibung zur 660-Jahr-Feier von Woldenberg im August 1958 entstanden.

      Nachdem 1835 in Deutschland die erste Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth dem öffentlichen Verkehr übergeben worden war, folgte dann in den Jahren 1845 – 1847 der Bau der Strecke Stargard — Posen. Bauträger unter staatlicher Aufsicht, war die [private] Stargard-Posener- Eisenbahn-Gesellschaft. In den späteren Jahren wurde auch diese Strecke Staatsbahn.

      Die Ostbahn Berlin — Schneidemühl wurde 8 Jahre später gebaut. Bürgermeister Milferstaedt setzt sich auch hier wieder für seine Vaterstadt, die einen Bahnhof erhalten sollte, ein. Er fand aber anfangs wenig Gehör hierfür bei den Bürgern.

      Woldenberg -- Bahn-Stellwerk
^   Das Bahn-Stellwerk an der Friedeberger Straße. Der Bahnübergang war durch Vollschranken gesichert. Nach Links geht es zum Woldenberger Gehege (Wald).   (Repro: 2007 – khd)
      Die Stadtverordneten waren dann der Meinung, der Bahnhof müßte nicht in der Stadt oder an der Stadt liegen. Man könnte den Bürgern nicht zumuten vom Lokomotivrauch oder dem Pfeifen Tag und Nacht belästigt zu werden. Der Bahnhof müßte in der Nähe des 5 km entfernten Dorfes Lauchstädt oder mindestens an die Westseite des Geheges gelegt werden.

      Der Bürgermeister Milferstaedt erreichte es aber doch, daß der Bahnhof nur 440 m von der Stadt entfernt, also für jedermann bequem zu erreichen, errichtet wurde. Im Sommer 1847 war der Bahnhof fertiggestellt [und er existiert noch
heute in Dobiegniew].

      Über die Abgabe von Land für die Bahnstrecke gab es viel Streitigkeiten. Es folgten sogar Enteignungen. [Am 10. August] 1847 konnte der Eisenbahnverkehr von Stargard bis zur Station Woldenberg eröffnet werden. Damit war Woldenberg zunächst Endstation.

      Aber schon im Jahr 1848 wurde das Schienennetz über Dragebruch bis Wronke hinauf erweitert. Als dann die Ostbahn Berlin — Schneidemühl gebaut werden sollte, war man in Woldenberg schon anderer Ansicht, wollte die Stadt doch im Jahr 1851 Land ohne Entgelt für einen Eisenbahnknotenpunkt in Woldenberg zur Verfügung stellen, aber die maßgebenden Stellen lehnten dieses Angebot ab.

Woldenberg -- Fußsteg über die Eisenbahnstrecke
^   Hölzerner Fußsteg über die Eisenbahnstrecke bei den Woldenberger Friedhöfen, der nach links zum Schlanower Weg führte. Das Gleis führt geradezu zum Woldenberger Bahnhof und dann weiter in Richtung Stargard bzw. Stettin. [Noch ein Foto vom Steg] [Neuer Steg in Dobiegniew]   (Repro: 2004 – khd)

      Man war verärgert über das Gebaren der Stadt und ihrer Bürger bei dem Bahnbau Stargard — Posen. So wurde [die neue Stadt] Kreuz Eisenbahnknotenpunkt. Die Strecke Stargard — Posen war in den späteren Jahren zum größten Teil zweigleisig.

      Die Strecke Arnswalde — Woldenberg war zunächst noch eingleisig. Die
Zugverbindungen Stettin — Posen — Schneidemühl und über Kreuz nach Berlin waren recht gut. Jetzt verkehren Kohlenzüge von Oberschlesien nach Stettin.


Dobiegniew — Der Bahnhof heute


Dobiegniew/Woldenberg -- Bahnhof im Jahr 2005
^   Dobiegniew – Der alte Woldenberger Bahnhof im Jahr 2005. Die Bahnstrecke Szczecin — Poznan (Stettin — Posen) ist nun elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut. Bis auf die frische Farbe sieht das Bahnhofsgebäude wie vor 100 Jahren aus.  (Foto: 21.6.2005 – bredwolf-Wol58)


Dobiegniew/Woldenberg -- Bahnhof im Jahr 2012
^   Dobiegniew – Der alte Woldenberger Bahnhof im Jahr 2012 (Vorder- und Nordwest-Seite).   (Foto: 1.4.2012 – g.stach-056)

Dobiegniew/Woldenberg -- Bahnhof im Jahr 2012
^   Dobiegniew – Die Vorderseite des alten Woldenberger Bahnhofs mit Vorplatz im Jahr 2012. Das Gebäude sieht noch wie früher aus. Aber Fahrkarten kann man hier seit Juni 2012 nicht mehr kaufen. Die gibt es erst im Zug, für abgezähltes Geld.   (Foto: 1.4.2012 – g.stach-055)

      Nicht nur der alte Woldenberger Bahnhof ist interessant. Auch auf die mit dem Eisenbahnbetrieb verbundenen Bauwerke in der Nähe kann ein aktueller Blick geworfen werden. Da ist zunächst das kleine Stellwerk direkt am Bahnübergang an der früheren Friedeberger Straße/Chaussee.

Dobiegniew/Woldenberg -- Stellwerk am Bahnübergang
^   Dobiegniew – Das Stellwerk am Bahnübergang im Jahr 2012. Es ist das Häuschen aus Woldenberger Zeiten, aber nun verputzt.   (Foto: 1.4.2012 – g.stach-045)

      Und dann ist da ja auch noch der Woldenberger Güterbahnhof mit der großen Lagerhalle gegenüber dem Bahnhofsgebäude. Vor 1945 brummte hier der Güterumschlag. Es waren vor allem landwirtschaftliche Produkte wie Kartoffeln und Getreide, die von hier ihre Reise zu den Abnehmern antraten. In Dobiegniew ist davon 2012 nichts mehr zu beobachten.

Dobiegniew/ -- Halle des Woldenberger Güterbahnhofs im Jahr 2012
^   Dobiegniew – Halle des Woldenberger Güterbahnhofs, die ganz offensichtlich nicht mehr repariert wird. Vermutlich weil sie nicht mehr gebraucht wird. Und im Juli 2014 ist die Halle bereits verschwunden.   (Foto: 8.4.2012 – g.stach-298)

      Auch in Polen setzt man heute auf den Transport per Lkw über die Straßen und vernachlässigt den umweltfreundlicheren Gütertransport per Bahn. Denn das Gleis an der Güterhalle ist noch nicht einmal elektrifiziert worden. Noch bis 1989/90 herrschte hier ein reger Betrieb.

      Auch die Fußgängerbrücke beim Friedhof und am früheren Schlanower Weg kann besichtigt werden. Diese wurde wohl um 1978 im Rahmen der Elektrifizierung der Bahnstrecke neu mit Zugangstreppen gebaut.

Dobiegniew -- Neuer Fußsteg über die Eisenbahnstrecke
^   Dobiegniew – Der neuer Fußsteg über die Eisenbahnstrecke. Wegen der Oberleitungen mußte diese Brücke höher ausfallen. Im Hintergund der Friedhof mit der alten roten Backstein- Kapelle. [Alter Steg]   (Foto: 1.4.2012 – g.stach-370)




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