Woldenberg (Neumark)   —  Das Kriegerdenkmal khd
Stand:  10.11.2013   (16. Ed.)  –  File: WBG/St/Woldenberger_Denkmal.html



Woldenberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

   
  W o l d e n b e r g
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freien Enzyklopädie.
 
In Woldenberg gab es eigentlich nur ein richtiges Denkmal — das „Kriegerdenkmal“ am Marktplatz. Es erinnerte an die Gefallenen in den Einigungskriegen (wie diese Feldzüge heute genannt werden) von 1864, 1866 und 1870/71. Es wurde am 19. August 1894 eingeweiht.

Bislang war — bis auf die alten Fotos — kaum etwas über dieses Denkmal bekannt. Im April 2013 erhielt ich dann eine Mitteilung vom „Preußisches Denkmal-Institut — Verein zur Erforschung Preußischer Denkmäler e.V.“ in Neuss. Dort hat man auch einiges über das Woldenberger Denkmal recherchiert, was hier mitgeteilt werden soll. [Translation-Service]

I n d e x : 

Woldenberg — Das Kriegerdenkmal um 1900

Woldenberg -- Kirche und Denkmal um 1905
^   Woldenberg – Die Nordseite der Kirche zu Kaisers Zeiten um 1905. Davor auf dem großen Marktplatz das Denkmal auch zu Ehren der im Frankreich-Krieg 1870/71 Gefallenen. Das Denkmal ist vom Preußischen Adler gekrönt.

Die Inschrift des Krieger-Denkmals ist offensichtlich nicht vollständig überliefert. Das Denkmal existiert noch heute (2009), aber die alte Inschrift ist entfernt worden.
[Foto vom neuen Standort]  [Zur Kirchen-Seite]  [Zur Markt-Seite]
  (Repro: 2009 – khd)

      Das Woldenberger Kriegerdenkmal wurde 1894 mitten vor der Kirche auf dem Marktplatz aufgestellt, wie das vorstehende Foto zeigt. Es war von einem Metallzaun umgeben. Die Spitze des Denkmals krönte der preußische Adler. Am Sockel waren die Namen der Woldenberger Gefallenen eingemeißelt gewesen.

      Später — aber noch vor 1933 — wurde der Standort vom Marktplatz in die Nähe des Turms der Marien- Kirche verlagert. Warum und wann das geschah ist unklar. Vermutlich brauchte man Platz auf dem Marktplatz. Dieses
alte Foto zeigt das Denkmal am neuen Standort, wo es — allerdings verändert — noch heute (2012) in Dobiegniew, dem früheren Woldenberg, steht.

      In einem Reisebericht von 1968 berichtet der Heimatforscher Dr. Martin Schenk, daß das Denkmal noch am alten Platz (neben dem Kirchturm) stehe, aber die Inschriften weggemeißelt worden seien. Außerdem sei der preußische Bronze-Adler nach 1945 durch ein Kreuz ersetzt worden.

      Auf neueren Fotos aus Dobiegniew, wie dieses Beispiel zeigt, ist zu erkennen, daß inzwischen zumindest das Kreuz durch eine Figur (Skulptur?) ersetzt worden ist. Über deren Bedeutung in Polen ist derzeit nichts bekannt. Auf dem früheren Marktplatz, heute dem „Pl. Starca“, stehen heute außerdem zwei polnische Denkmale — das Freiheits-Denkmal mit dem großen Schwert und seit etwa 2010 das Denkmal für die polnischen Gefangenen im Woldenberger Offizierslager (OfLag IIC).


Woldenberg — Informationen zum Denkmal


      Woldenberg -- Kriegerdenkmal
^   Kriegerdenkmal von 1894 in Woldenberg (coloriert). [Altes Foto]   (Repro: 2013 – khd)
1. Beschreibung:
 
Obelisk aus Stein auf einem Steinsockel mit preußischem Adler aus Bronze auf der Obelisk- Spitze. Ausgestattet mit Doppel- Reliefmedaillon vom Kaiser Wilhelms I. und Kaiser Friedrich III. Seitlich am Sockel befanden sich Reliefmedaillons von Bismarck und von Moltke. Die Gesamthöhe des Denkmals betrug ungefähr 8 Meter.


2. Werdegang:
 
Im November 1888 regten der Woldenberger Amtsrichter Milentz, der Schuldirektor Kleinschmidt und der Kämmereikassenrendant Kossatz an, ein solches Denkmal zu schaffen und auf dem Marktplatz aufzustellen. Als Stifter des Denkmals wurde der Denkmals- Ausschuß der Bürgerschaft der Stadt Woldenberg eingesetzt. Nach Klärung der Ausführung und Finanzierung konnte am 6. Mai 1894 die Grundsteinlegung erfolgen. Feierlich enthüllt wurde das Denkmal am 19. August 1894.


3. Entwurf und Ausführung:
 
Von wem der Entwurf des Denkmals stammt, ist nicht bekannt. Auch wer die Steinmetzarbeiten ausführte ist offensichtlich nicht überliefert. Bekannt ist nur, wer die Bronzeguß-Applikationen (Reliefmedaillons und Adler) anfertigte. Das war die Adler Aktiengesellschaft [vormals] Hermann Gladenbeck & Sohn in Friedrichshagen bei Berlin.


4. Finanzierung:
 
Das Denkmal hat 9.000 Mark gekostet, die vor allem durch Spenden der Bürger (Sammlungen) aufgebracht wurden. Die Stadt Woldenberg gab einen Zuschuß von 2.000 Mark.


5. Inschrift an der Sockel-Vorderseite:
 

DEM ANDENKEN
DER UNVERGESSLICHEN
KAISER WILHELM I.
UND
FRIEDRICH III.
IN UNWANDELBARER
DANKBARKEIT
UND VEREHRUNG
GEWIDMET

6. Inschrift an der Sockel-Rückseite:
 

IN DEN FELDZÜGEN
1864, 1866 UND 1870/71
STARBEN DEN HELDENTOD
FÜR KÖNIG UND VATERLAND

Namen der Gefallenen

Leider wurden die Namen der Gefallenen aus Woldenberg und Umgebung nicht mitgeteilt. Es ist derzeit unklar, ob diese nicht doch irgendwo überliefert sind.

7. Quellen:
 
  • Abshoff, Fritz: Deutschlands Ruhm und Stolz, Berlin 1903, S. 204.
  • Kuntzemüller, Dr. Otto: Die Denkmäler Kaiser Wilhelms des Großen, Bremen o.J. (1903), S. 415.
  • Zentralregister der Preußischen Personen- und Kriegerdenkmäler — Z 97 (8.4.1996).
  • Kießhauer, Inge u. Rolf: Bronzenes für das Ausland aus den Gladenbeckschen Gießereien in Berlin und Friedrichshagen, Berlin 2013, S. 97.



  • Dobiegniew — Das Denkmal heute

          Das Woldenberger Denkmal — nun in Obhut der Dobiegniewer kath. Kirchgemeinde — erhielt 2012 eine neue Inschrift, die Teil eines polnischen Gebets ist und übersetzt lautet:

    Oh Maria, ohne Sünde geboren
    Bete für uns
    Die zu Dir fliehen
    Unbeflecktes Herz Maria
    Bete für uns
    Die Königin von Polen
    Bete für uns

    Gemeinde des Hlg. Joseph
    Dobiegniew   13.5.2012

          Das Woldenberger Krieger-Denkmal wurde also in ein Marien-Denkmal umgwidmet. Deshalb wird die Skulptur auf der Spitze des Denkmals (wo einst der preußische Adler thronte) eine Marien-Darstellung sein. Die Stadtkirche ist seit 1946 dem Heiligen Joseph geweiht.

    Dobiegniew -- Woldenbergs Krieger-Denkmal im Mai 2009
    ^   Dobiegniew 2009 – Das Woldenberger Krieger-Denkmal (Krieg von 1870/71) im Mai 2009. Es steht heute gleich neben dem Haupteingang der Kirche. Etwas unklar ist noch, was das alte Denkmal heute ‚krönt‘ — eine Maria? Hinter dem Denkmal liegt der frühere Marktplatz.

    Dieses Foto wurde von der früheren Schulstraßen-Seite aus aufgenommen. Und es ist der ultimative Beweis dafür, daß das Denkmal nicht verschwunden ist, was vermutet worden war. Der Dank für dieses Foto geht an Otto Redlich, der es im Februar 2011 zur Veröffentlichung einsandte.
     (Foto: 16.5.2009 – redlich)




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