Während der ebenfalls in den Morgenstunden des 27. Januar 1945 nach Westen gestartete große
Woldenberg-Treck der Bauern und Pferdehalter bereits am Abend des 29. Januar in Berlinchen
von der Roten Armee überrollt wurde und
nicht mehr die rettende Oder erreichen konnte, kam dieser kleine Treck von Bayers Hof auf den
tiefverschneiten Straßen durch bis ins Anklamer Land in Vorpommern. In letzter Minute konnten sie
am 30. Januar 1945 bei Greifenhagen die Oder überqueren, bevor die Brücke von deutschen
Pionieren gesprengt wurde. Das ist bemerkenswert, denn bislang war nur bekannt, daß es dem Treck
vom Birkenhof (Karolinenhof) durch eine geschickte, nördlichere Wegwahl gelang, den
Sowjets auf dem Landweg zu entkommen.
Gert Brauer damals 14 Jahre hat das in seinem Buch
Was vergangen, leuchtet lange noch
zurück ausführlich beschrieben. Der Birkenhof-Treck nahm folgende Route von
Woldenberg nach Westen: Woldenberg, Wutziger Straße (Start am 27.1. früh) Wutzig
Brandsheide Kölzig Marienwalde Sellnow Heinrichswalde (erreicht am 27.1.
abends) Radun Arnswalde (erreicht am 28.1.) Billerbeck Blankensee
Warsin (erreicht am 29.1.) Plönzig Rosenfelde Megow (erreicht am 30.1.)
Pyritz Rackitt Bahn (erreicht am 31.1. abends) und am 1.2.1945 dann in wilder
Hast weiter in Richtung der nahen (rettenden) Oder [Ed: im Buch ist übrigens die
Orts-Reihenfolge nicht korrekt angegeben, wie ein Blick auf
die Karte zeigte].
Völlig neu in dem Mohnhaupt-Bericht ist, daß bereits in den Westen geflüchtete Bauern und
Landarbeiter unmittelbar nach Ende des 2. Weltkriegs (8/9. Mai 1945) zurück in die eroberte Neumark
beordert wurden. Das muß die russische Besatzungsmacht angeordnet haben. Vermutlich war es den
Russen bis Mai 1945 nicht gelungen (oder waren da schon die Polen zuständig?), genügend Polen
aus Ostpolen in die Neumark ‚
umzusiedeln‘. Und so mußte in sowieso schon schlechten Zeiten um die
Bestellung der Felder gefürchtet werden. Warum sie dann aber nur 6 Wochen später mit ihrem
‚ethnic cleansing‘ begannen, ist unlogisch und mußte 1945 und 1946 zu großen
Mißernten führen. Aber den damals ‚Regierenden‘ waren ja Menschen und deren
Versorgung mit dem Nötigsten völlig egal.
Bereits am 6. Mai 1945 hatte die polnische Regierung ein Gesetz über den Ausschluß
feindlicher Elemente aus der polnischen Volksgemeinschaft sowie ein Gesetz über das
verlassene und aufgegebene Vermögen (
Bierut-Dekrete) erlassen. Damit begann die ethnischen Säuberung der seit Mitte
März 1945 unter polnischer Verwaltung stehenden deutschen Ostgebiete. Und somit war das auch der
Grund, warum Ende Juni 1945 die Deutschen von Bayers Hof zusammen mit anderen Deutschen aus Woldenberg
und Umgebung vertrieben wurden.
Soweit bekannt, wurden in die Woldenberger Gegend erst 1947 mit der
Operation Wisla
eine größere Zahl Polen aus Südost-Polen (
Wolhynien) zwangsweise umgesiedelt also deportiert.