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I n der einen Ecke des Lagers mit Blick auf die Landschaft
draußen saß seit Tagen einer unserer schon recht älteren Leidensgenossen zu jeder
möglichen Tageszeit. Er schaute stets stumm und unbeweglich in die Richtung eines Bauernhofes in
etwa 2 km Entfernung. Es war sein Hof gewesen und er konnte das jetzige Leben und Treiben gut
beobachten. Er sprach mit niemandem und holte sich auch kein Essen mehr. Das ging so einige Wochen und
eines Tages fiel er um und war tot!
Eines anderen Tages, beim abendlichen Zählappell, schwanden mir plötzlich die Sinne und auch
ich fiel um und zwar zwischen die Reihen der angetretenen Kameraden. Ich war aber nicht tot, sondern
nur besinnungslos! Erst als ich im Ambulatorium lag, kam ich zu mir. Mir war ganz schwummrig im Kopf
und ich schwitzte wie ein Bulle. Bei mir war Bajazzo, der auf Geheiß des diensttuenden Sanis
bereits meine persönlichen Sachen aus unserer Lagerbaracke geholt hatte. Es dauerte nicht lange und
ich wurde abtransportiert in das Lazarett, welches gegenüber auf der anderen Straßenseite
lag.
Bajazzo hielt noch lange meine Hand und seine Augen schienen sehr traurig zu sein. Es war jedenfalls die
letzte Berührung zwischen uns. Ich sollte ihn nur noch einmal von weitem wiedersehen!
In einer fast menschenleeren Stube einer recht dunklen Baracke wurde ich von den
Sanitätsträgern abgeliefert. Dort gab es auch einen zuständigen Sani, der mir Mut
zusprach. Er kam des Abends noch ein paar Mal zu mir. Mir ging es aber zunehmend schlechter. Ich musste
mich mehrmals erbrechen und zwar so lange, bis kein Mageninhalt mehr in mir war. Es war nur noch ein
vergebliches Würgen von bitterer Gallenflüssigkeit. Ich war völlig am Boden und dachte,
mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Die Magenkrämpfe flachten ab und ich versank in
einen Erschöpfungsschlaf.
Aber bald darauf erwachte ich schweißüberströmt und offenbar in hohem Fieber. Ich hatte
schreckliche Angst! Ein paar der leeren Betten weiter zum Fenster lag auch ein Kranker, den es offenbar
noch schlimmer gepackt hatte als mich. Er fing an laut zu schreien und zu phantasieren: Stalin sei
gestorben und sein Sarg werde hier in einer Trauerzeremonie vorbei gefahren! Radfahrer eskortierten
diesen Leichenzug mit brennenden Pechfackeln. Die Decke, mit welcher der Phantasierende zugedeckt
war, habe sich im Rad der Lafette verheddert! Sie sei völlig verdreckt mit Wagenschmiere und stinke
ganz fürchterlich!
Er warf seine Zudecke und einige seiner persönlichen Gegenstände um sich, stand auf, torkelte
durch die finstere Barackenstube und gab mehr oder weniger schreiend weitere konfuse und halbartikulierte
Äußerungen von sich! Ich verhielt mich ganz still, zog mir meine Decke über den
Kopf und wartete ab, bis er vor Erschöpfung irgendwo im Raum liegen blieb. In den frühen
Morgenstunden wurde er abtransportiert, ich wusste nicht, wohin!
Im Laufe des Vormittags wurde ich verlegt in eine andere Baracke, die innerhalb des Lazaretts separat mit
einem Zaun umgeben war. Der mich stützende Sani übergab mich einem anderen, betrat somit
nicht das Terrain der ja, der Quarantänebaracke! Mein Unterkunftsraum war angehäuft mit
ca. 30 Mit-Kranken. Sie lagen mehr oder weniger apathisch auf ihren Strohlagern und ich kam dort mitten
hinein. Die Tragweite meiner Situation war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst! Mir ging es
weiterhin saudreckig!
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Ein hölzerner Wachturm des Woldenberger Lagers an der Friedeberger Chaussee. Davon hat es 8
Stück gegeben.
(Repro: 2004 khd)
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Neben dem Fieber, weiteren Versuchen mich zu erbrechen und beginnendem Durchfall übermannte mich
eine unsagbare Schlappheit. Der Durst quälte mich sehr, aber Appetit auf die kärglichen
Mahlzeiten hatte ich keinen. Ich versuchte, mich immer auf die Latrine zu schleppen, wenn es mich
drängte, oben oder unten ’was von mir zu geben! Anderen gelang es nicht und von Säuberung
durch das Sanipersonal war wenig zu spüren. So lag ständig ein Gestank in der Luft, dessen
Schweißgeruchskomponente mir noch wie Kölnisch Wasser erschien.
Schlimm war der Gemütszustand in dieser Atmosphäre. Wenn bloß nicht das hohe Fieber
sowie die abwechselnden Schwitz- und Schüttelfrostanfälle gewesen wären! Daran, dass
ich Medikamente bekam, kann ich mich nicht erinnern. Besonders nachts war es schlimm, auf die Latrine zu
gelangen. Der recht breite Mittelgang der Baracke schien so zu schwanken, dass ich mich auf
einem Fischlogger bei Windstärke 10 wähnte.
Eines ganz frühen Morgens, als ich wieder ’raus musste, bekam ich die Tür zum
Barackengang nicht auf. Irgendein schweres Hindernis stemmte sich mir von außen vehement entgegen.
Ein Sani kam mir zu Hilfe. Wir fanden einen Mitpatienten sitzend vor, der sich am Drücker unserer
Stubentür draußen auf dem Korridor erhängt hatte! Es war schauerlich!
Zu trinken bekamen wir wenig, es wurde Trinkbecherweise verteilt. Einige Sanis gaben sich große
Mühe, uns die Kartoffelsuppe und auch das manchmal zur Ausgabe gelangende ausgekochte Rindfleisch
schmackhaft zu machen. So ging es etwa schon 14 Tage.
Die Wirklichkeit nahm ich nur noch schemenhaft und wie im Traum wahr! Der permanente Dämmerzustand
hielt mich aber nicht davon ab, hin und wieder rationale Gedanken zu fassen. Es war ein ständiges
Kommen und Gehen in unserer Krankenstube. Diejenigen, die nicht mehr bei Sinnen waren, wurden
’rausgeschleppt und in die sogenannten Sterbezimmer gebracht. Neue Fiebernde wurden an deren Stelle
in die plattgelegenen und kaum ausgewechselten, manchmal arg verschmutzten Strohreste auf die roh
zusammen gezimmerten Massenpritschen gelegt.
Diese Liegestätten waren aber noch Gold gegenüber jenen in den Sterbezimmern. So wie man die
Gestorbenen dort aus ihrer Matratzengruft hob, wurde die Liegestatt nur mit Chlorkalk bestreut und die
meist schon Weggetretenen dort in diese Brühe zum endgültig letzten Seufzer deponiert.
Es mag inzwischen Mitte Juli geworden sein und neben dem permanenten Gestank machte uns allen auch die
große Hitze zu schaffen. Unser Krankenzimmer war somit das reinste Eldorado für alles
erdenkliche Ungeziefer. An sich waren Fliegen noch die harmloseste, aber in diesen Mengen wurden sie
zur auffälligsten Belastung für alle. Sie befielen alle Kranken so dermaßen, dass sie zu
Hunderten auf Mund, Nase, Augen und Ohren saßen. Vielfach waren diese Körperstellen nur
noch als schwarze wimmelnde Flecke wahrnehmbar. Aber auch nach dem Erbrochenen und dem Kot derjenigen,
denen dieser manchmal aus der Hose rann, waren diese anhänglichen, meist grün- oder
bläulich- perlmuttschimmernden Fliegentierchen ganz wild! Sie feierten die reinsten Orgien!
Da erinnerte ich mich an mein kleines schwarz-braunes seidenes Damentuch, welches ich in Ferchland so
ganz durch Zufall und aus einer Laune »du kannst es ja ’mal gebrauchen« von einem
Gartenzaun gepflückt hatte. Dieses fingerte ich aus dem schmalen Hohlsaum meiner Fliegerjacke und
legte es mir stets aufs Gesicht. Somit konnte ich gut atmen, hielt mir aber die gierigen
Fliegenschwärme vom Kopf fern. Ich musste natürlich schwer auf der Hut sein, dass es mir nicht
geklaut wurde. Es war mein ein und alles zu dieser Zeit, denn so mancher meiner Mit-Patienten, der noch
zu rationalem Denken und Empfinden fähig war, erkannte den Wert eines solchen Tuches. Nachts zum
Schlafen lag es stets unter meinem Kopf!
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Die Lage des 25 Hektar großen Lagers an der Friedeberger Chaussee.
[Vergrößerung]
(Sat-Foto: 19.5.2009 GoogleEarth)
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Aber nicht nur auf der Krankenstube war die unerwünschte Fauna so intensiv und munter, sondern auch
die Latrine schien überzuquellen von Leben! Wenn man auf den bretternen Brillenlöchern
über den von uns abgesonderten Breiig- und Flüssigkeiten saß, krochen einem von unten
Prachtexemplare von Madenraupen auf den Blanken! Diese waren vollgefressen bis zum Platzen! Sie
besaßen einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter und eine Körperlänge von ca.
fünf Zentimetern. Dazu hatten sie ein ganz neckisches, ca. drei Zentimeter langes dünnes
Schwänzchen! Nur durch Abkratzen einer gewissen Distanz der Sitzunterseite von innen, ringsherum
aus dem Sitzloch heraus mittels eines mitgebrachten Stöckchens oder eines länglichen Steines,
konnte man diese anhänglichen Tierchen eine Weile von seinem Hintern fernhalten!
Solche Tierchen hatte ich vorher noch nie gesehen und unter normalzivilisierten Bedingungen bekäme
man allein vom Anblick her schon das Kotzen! Uns aber machte dies nach all’ dem Erlebten kaum mehr
etwas aus! Ob diese Prachtexemplare aus dem Sowjetreiche stammten und schon bis hier her vorgedrungen
waren?
Ich merkte, dass ich immer schwächer wurde und die Dämmerungsperioden am Tage wurden immer
länger. Wenn ich auf der Seite lag, merkte ich, wie meine seitlichen Beckenknochen scheinbar aus dem
Leib traten und auf der hölzernen Liegeunterlage schmerzhaft drückten. Beim Befühlen
meines Körpers spürte ich auch, dass ich nur noch wenig Fleisch auf den Rippen und Schenkeln
hatte! In dieser Zeit des physischen aber auch psychischen Wahrnehmens meines körperlichen
Zustandes spürte ich aber ganz langsam so etwas wie Hunger! Das angebotene Essen, wenn auch nur
recht wenig, rutschte auch wieder!
Ein paar Tage später spürte ich, wie mein Kopf klarer wurde, ein Zeichen dass das Fieber im
Sinken war. Es waren fast alles neue Gesichter um mich herum. Die meisten der bisherigen haben wohl den
Weg über die Sterbezimmer genommen. Cirka eine Woche war ich fieberfrei. Ich konnte zunehmend
rationale Gedanken fassen, das Essen rutschte immer besser und vor allem blieb es drinnen! Deshalb wurde
ich verlegt in das Zimmer gegenüber, wo die Genesenden hausten.
Der Raum war ebenso groß wie das eigentliche Krankenzimmer. Während in jenem immerhin ca. 30
Personen hausten, war dieses zu meiner Zeit nur mit mir und drei weiteren Kameraden belegt. Ich war
noch recht schwach, aber frohen Mutes, diese Talsohle am Rande des physischen Daseins erfolgreich
durchschritten zu haben. Jetzt wurde mir auch so richtig bewusst, dass ich mich hauptsächlich mit
dem Seidentuch über dem Gesicht vor der ständigen Gefahr der Re-Infektion durch die
Fliegenschwärme schützen konnte!
Welch’ eine schicksalhafte Fügung, dass ich seinerzeit so ganz nebenbei und instinktiv kurz
vor der Gefangennahme nach diesem unscheinbaren Tüchlein griff. Dieser Griff und das Bewahren jenes
Stückchen Seide vor Fledderungen bis zu diesem Zeitpunkt, war im wahrsten Sinne des Wortes meine
Lebensrettung! Es war der sprichwörtliche seidene Faden, der mich am Leben erhalten hat!!!
Eines Mittags saßen wir auf rohen Holzbänken vor dem Eingang an der Stirnseite unserer
Krankenbaracke und empfingen bei schönstem Sommersonnenschein unsere Mittagsportionen, die aus einem
Kübel in unsere Kochgeschirre gefüllt wurden. Es waren aber nur die Genesenden aus unserer
Stube und noch einige aus einer Nebenbaracke des Quarantänekomplexes. Wir fingen an, mit Appetit
zu essen, denn ich konnte sogar Fettaugen erkennen und bei manchem plumpsten offenbar Fleischklumpen beim
Einfüllen in den Napf. Wie ich da auch so emsig in meiner Suppe rührte und den Löffel
füllte, prangte darauf ein selten gekannter Fleischklumpen! Mann, dachte ich, das ist ja der
reinste Lotteriegewinn!
Etwas skeptisch wurde ich allerdings beim näheren Hinschauen! Dieses appetitliche Stückchen
Fleisch hatte nämlich vier kleine Beinchen, ein spitzes Köpfchen und ein kleines
Schwänzchen! Ja, durchzuckte es mich, es war eine mitgekochte Maus! Ich fasste sie ans
Schwänzchen, machte meine Mit-Esser mit humorvollen Äußerungen darauf aufmerksam und
ließ sie hochhaltend im Gullygitter auf dem Hof verschwinden. Im Nu hatte ich ein vielstimmiges
Entsetzen ausgelöst und die meisten schickten sich an, ihre Essnapfinhalte der verschwundenen Maus
nachzuschütten!
Welche Beweggründe waren es, mich nicht zu ekeln? Wo ich Zeit meines noch so kurzen Lebens stets
recht mäklig war und manche für meine Mitmenschen schmackhaften Lebensmittel verschmäht
hatte, blieb unergründet! Ich jedenfalls aß aus meinem Napf die Suppe mit dem
unmittelbarsten Kontakt zum mitgekochten Kleinnager weiter, als sei nichts gewesen. Darüber hinaus
bat ich so manchen spontanen Essensverweigerer, seine Suppe nicht zu vernichten, sondern mir noch als
Zweit- und Drittportion zu überlassen. So hatte ich mich mal wieder so richtig satt
essen können mit nahezu drei seinerzeitigen Normalportionen.
Offenbar hatte mein instinktiver Lebenswille über den unter normalen Umständen entstehenden
Ekel gesiegt! Sicher hat auch dazu unterschwellig die formal-rationale Hoffnung auf die restlose
Abtötung aller Bakterien und Krankheitskeime durch den Kochprozess einiges beigetragen. Vielleicht
kam noch mein Trotz hinzu und auch der Triumph, dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen zu sein!
Es ging weiter aufwärts mit mir, ich hatte aber keine Kondition. Ich ermüdete sehr oft und
schlief noch recht viel.
Das Elend auf der anderen Seite und am Ende des Barackenganges nahm jedoch unerbittlich seinen Lauf.
Nicht selten fanden wir morgens in den durchgehenden, aus Betonsteinen bestehenden Waschrinnen der
Mannschaftswaschräume spärlich bekleidete Tote oder Sterbende. Sie hatten sich offensichtlich
nachts vor lauter Durst noch dorthin geschleppt, um aus den Wasserhähnen zu trinken. Dabei stammte
dieses Waschwasser aus einem nahegelegenen Teich [Ed: vermutlich aus dem Faulen See], welches
in verrosteten Leitungen hierher gepumpt wurde. Niemand wusste, wie viele Tiere darin verendet waren. Ich
hatte immer strikt darauf geachtet, dass dieses Wasser nicht so nahe an den Mund kam!
Jetzt sah ich auch öfter die Transporte in die Sterbezimmer und auch jene aus ihnen hinaus. Die
erbarmungswürdigen Leichen waren vielfach nur noch die reinsten Skelette, von denen so ca. acht
Stück auf den hierfür in Dienst gestellten überdimensionalen Handwagen passten. Diese
elende Fracht wurde von zwei ziehenden und zwei schiebenden Personen zum Einbuddeln gefahren. Solche
völlig unzeremoniellen Trauerzü- ge sahen wir meist am Fenster unseres Zimmers, welches den
Blick unmittelbar auf den Stacheldrahtzaun des Lazaretts freigab, draußen vorüberziehen.
Ein paar hundert Meter weiter, am Rande eines Waldstücks, sollen die armen Teufel vergraben worden
sein.
Sehr wahrscheinlich war jedoch, dass die dort hin und wieder gesetzten schlichten Birkenast-Holzkreuze
nicht lange an sie erinnerten. Zu vermuten war indes, dass sie schon an den nächstfolgenden Abenden
als willkommenes Brennholz für wärmendes Biwak-Feuer zur Nacht missbraucht wurden. Dafür
sorgten vagabundierende Gruppen ehemaliger Fremdarbeiter, sich eine neue Bleibe suchende
heimatentwurzelte Polen oder von auf der Durchreise befindliche Rotarmisten!
Dann hieß es, eine Ärztekommission werde uns begutachten, ob wir noch von Wert für die
Wiedergutmachung im großen Sowjetreiche seien, oder ob man uns schweren Herzens gehen lassen solle!
Anlässlich der ersten Untersuchung war sich die schwarzhaarige, streng gescheitelte, sehr
selbstbewusste Armeeärztin nicht sicher, in welche Kategorie ich passte. So wurde ich noch eine
Woche zurückgestellt und musste dann wieder antanzen! Vielleicht musste auch erst vorgesichtet und
geprüft werden, ob die Plankontingente der Entlassungszahlen nicht überschritten
würden!
Dann fiel die Entscheidung, dass ich nach Hause entlassen werde! Soll nun endgültig ein
Schlussstrich gezogen werden nach all’ den schrecklichen Geschehnissen und Gefahren, denen ich in
meinen so jungen Jahren ausgesetzt war? Es war kaum zu glauben!
Das Datum vom 23. August 1945 wurde auf mein Entlassungsdokument gestempelt und mit ihm das entscheidende
Siegel der sowjetischen Streitkräfte! Die Probleme waren damit aber noch nicht vorüber.
Ich wog 48 kg bei meiner Größe von 1,81 m und 163 km lagen zwischen Woldenberg/Neumark und
der Oder, wo das jetzige Deutschland erst begann. Mit Lkw wurden nur akut Verletzte und Amputierte
gefahren, hieß es. Gesehen habe ich aber einen solchen Transport nie! Ich Klappergestell wurde
jedenfalls für marschtüchtig erachtet! Na, dann Prost!
Aus unserem und wahrscheinlich noch aus anderen benachbarten Lagern wurden Marschgruppen auf den Weg
geschickt, mit einem Offizier nebst 5 Muschkis als Bewachung und Schutz! In fünf Tagesetappen
führte der Weg über eingerichtete Verpflegungsstellen bis zur Oder.
Ich konnte dieses Tempo jedoch nicht lange durchhalten, musste mich zurückfallen lassen. Ein ebenso
schwacher Kamerad aus Hamburg und ich waren nun auf uns selbst gestellt und erreichten nach einigen
abenteuerlichen Erlebnissen im russisch/deutschen Niemandsland die Oder erst nach acht Tagen. Vier
Tage vor meinem 18. Geburtstag war ich bei meinen Eltern und es begann für mich ein vom wahrlich
gnädigen Schicksal neu geschenktes Leben!