1) 
Am 29. und 30. Juni 1935 beging Woldenberg das 600-jährige Jubiläum der Stadtkirche
nicht des markanten Kirchenbaus der Woldenberger Marienkirche, der erst später entstand. In einer
Urkunde von 1335 wurde erstmals eine Woldenberger Stadtkirche erwähnt. Dieser Anlaß wurde 1935
festlich begangen. Die Lokalzeitung hatte ihrer Ausgabe vom 29. Juni 1935 eine Extraseite beigelegt,
die noch vorhanden ist. Darin ist dieser interessante Text und ein wunderschönes Gedicht
Unsere Kirche von
Dr. Martin Schenk sowie verschiedene
Grußworte von Würdenträgern enthalten.
Da der Zeitungsdruck bereits sehr stark vergilbt ist und in Fraktur-Schrift erfolgte, ist ein Scannen mit
OCR-Transkription nicht möglich, so daß auf das manuelle Übertragen sprich
Abtippen zurückgegriffen werden muß. Daher wird es einige Zeit dauern, bis dieser
Aufsatz hier komplett sein wird. Nun ist er mit der 41. Ed. vom 26.5.2009 endlich fertig.
2) 
1935 befinden wir uns mitten in der Nazizeit, und weil das von den Herrschenden erwartet wurde, kamen
damals auch in kirchlichen Verlautbarungen schon ‚Lobpreisungen‘ des vermeintlichen
‚Führers‘ sowie der nationalsozialistischen Ideologie vor. Wir werden das im
letzten Teil dieser Dokumentation sehen.
3) 
Es ist derzeit (2007) unklar, wer sich hinter diesem Namenskürzel pl (PL) verbirgt. Zu
keinem der damaligen Pfarrer paßt dieses Kürzel. Es könnte aber auch ein Lehrer
geschrieben haben. Vielleicht gibt es ja Leser, die weiterhelfen können.
Im Herbst 2009 wies dann ein Leser daraufhin, daß es sich beim pl um das Kürzel
von
Probst Grell handeln könnte. Er hätte dann
neben dem Grußwort auch diesen historischen Abriß der Woldenberger Kirchengeschichte
geschrieben. Zwar spricht dafür einiges, u. a. die Formulierungen im
Schlußteil, aber Grell war es wohl nicht, denn unter einem anderen Artikel zur
Woldenberger Stadtsparkasse steht auch das Kürzel pl (
Woldenberger Ostmärkische
Zeitung, 25.4.1936).
4) 
Es gab damals unter den Geistlichen aber auch total überzeugte Nazis. Dazu gehörte auch der
für Woldenberg zuständige
Probst Johannes Grell (18751947) aus Schneidemühl,
ein Mann im Braunhemd mit militärischer Haltung und Kommandostimme, wie ihn einmal ein
Augenzeuge beschrieb. Sein Grußwort zum Kirchen-Jubiläum in der
Woldenberger Ostmärkische Zeitung vom 29. Juni 1935 strotzt
nur so von konfusem, nationalsozialistischem Gedankengut (
... da ein starkes
Deutschbewußtsein durch die gottgesandte Bewegung des Nationalsozialismus nach den elenden Tagen
eines volksfremden, internationalen Marxismus wieder erwachte ...).
Probst Grell, der am 30. Juni 1935 anläßlich des Kirchen-Jubiläums auf Woldenbergs altem
Schützenplatz eine üble Rede hielt, gehörte später zu den Mitarbeitern und
Unterstützern des berüchtigten
Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche
kirchliche Leben, das ab 1938 die Entjudung der Kirchen betrieb. Von diesen geistig
kranken Leuten wurde dann sogar das Neue Testament umgeschrieben auf NS-Linie
getrimmt. Es ist nicht bekannt, was aus diesem Ex-Probst der Grenzmark Posen-Westpreußen nach 1945
geworden ist, ob er überhaupt noch
entnazifiziert werden konnte.
Auch die Evangelische Kirche tat sich sehr schwer mit der Aufarbeitung ihres Wirkens zur NS-Zeit. Es ist
schon bezeichnend, daß dieser Grell-Kontext erst 2009 durch eine sorgfältige
Internet-Recherche geklärt werden konnte. Übrigens, dabei geht der Dank auch an
Google-Books. Mit klassischen Archiv-Methoden
wären die belegenden Buchseiten nie gefunden worden nur das Volltext-Suchen
in Büchern machte es möglich!
5) 
Lesenswert ist auch der Bericht über den
Bau des neuen Woldenberger Kirchturms, der aus dem Jahr 1940
überliefert worden ist und jetzt (2011) fürs Internet digitalisiert werden konnte.
6)
Woldenberg-Symposium 2013: Im Juni 2013 fand auf Privatinitiative unter dem Motto
Woldenbergs Kinder werden
80 in Dobiegniew ein 3-tägiges wegweisendes Symposium statt, bei dem es auch zu
einer Begegnung der deutschen Kriegskinder mit polnischen Kriegskindern kam. Eröffnet wurde
das Symposium am 21.6.2013 mit einem evangelischen Gottesdienst in der alten Woldenberger
Kirche.